St.Galler Tagblatt vom 13.2.2007 by Daniela S. Herman

Mit einer Prise Indien

Die Kapelle "Alder Buebe" und Bettina Castaño begeistern im "Bären" Häggenschwil

Perfekte Ausführung, stimmige Bilder, fliessendes Zusammenspiel: Bettina Castaño und die "Alder Buebe" boten an zwei Abenden im "Bären" etwas Besonderes.

Sehr fein, sehr leise eröffnen die "Alder Buebe" mit der Komposition von Ueli Alder "Sonnenaufgang auf der Osteregg" das Abendprogramm. Es folgen ein Schottisch und eine Polka. Das Spiel der vier schweigsamen Musiker ist ein Ohrenschmaus: wie die Lieder heissen, bleibt ein Rätsel. Sie spielen "aus dem Herzen und aus dem Bauch": Willi Valotti am Akkordeon. Walter Alder am Hackbrett, Michael Bösch (Geige) und  Köbi Schiess am Kontrabass.

Eigener Stil

Zu dem fein nuancierten Zäuerli erscheint Bettina Castaño, lang-sam sich öffnend, stets teif konzentriert. Ihre eigenartige, sehr persönliche Tanzvariation baut sie zu einem Flamenco auf leisen Pfoten, führt mit Akkordeon Zwiegespräche und beendet die Sequenz nit einem temperamentvollen Paso Doble. Das Publikum im "Bären"-Saal applaudiert unermüdlich. Den zweiten Tanz leitet Bettina Castaño alleine ein. Nach alter Flamenco-Tradition gibt sie den Rhythmus mit Händen und Füssen an. Mit Improvisation und Zäuerli mischen sich augenzwinkernd die Musiker ein. Voller Lebensfreude und provokativ geht die Tänzerin auf das Spiel der Geshlechter ein. Die Zushauer sind begeistert.

Feuriger Csárdás

Flamenco hat viele Wurzeln, eine der stärksten ist die aus Indien, von den Zigeunern nach Europa gebracht. Zu dieser Urquelle kehrte in ihrer ständigen Suche nach Perfektion auch Bettina Castaño. Und sie baute Elemente aus indischen Tänzen in ihre Choreographie ein. Dass sich die appenzellellische Musik mit Csárdás und Flamenco verbinden lässt, hat sie in zahlreichen Auftritten weltweit bewiesen. Für die Fans des traditionellen Flamencos wirkt die Mischung etwas verwirrend. Dafür ist sie sehr originell und findet beim Publikum grossen Gefallen. Die Perfektion der musikalischen und tänzerischen Ausführung lässt auch die letzten Meckerer verstummen - vor allem, wenn sich die gebürtige Appenzellerin von der Musik tragen lässt. Da springt der Funken voll über.

Projekt Kerala

Vor einem Jahr zog die Flamenco-Tänzerin nach Indien, um dortige Rhythmen zu erlernen. Der Austausch mit indischen, persischen, afghanischen Musikern hat sie auf neue Wege gebracht. So konnte das Pbulikum in Häggenschwil die Künstlerin Castaño auch als Perkussionistin erleben.

Bettina Castaño will aber mehr. In Indien, in Kerala startet sie ein Projekt, daß "in drei bis vier Jahren auf eigenen Füssen stehen soll." Es handelt sich dabei um ein Kulturzentrum, das neben Kunst und Kultur auch Ayurveda anbietet. Weiter soll das Indien-Projekt auch dem Austausch unter Musikern dienen.

"Mein Tanz ist und bleibt Flamenco", räumt Bettina Castaño ein. Sie ist und bleibt Vollbluttänzerin, die nach Herzenslust spielt und provoziert.

„Musik muss gefühlt werden um sie in Tanz umzusetzen.“

Bettina Castaño