Kritik Fürstenlager - Bensheim 3.9.2009

Darmstädter Echo: Sommerfestspiele: Bettina Castaño und Hakim Ludin begeistern mit einem Zusammenspiel aus Flamenco und Perkussion

Feurige Tänze, mystische Klänge

AUERBACH. Ein Glück, dass die beiden sich vor etwa 15 Jahren in Karlsruhe getroffen und seitdem immer wieder zusammen auf der Bühne gestanden haben. Denn was Bettina Castaño und Hakim Ludin dem Publikum der Internationalen Sommerfestspiele im Fürstenlager zu bieten hatten, war sensationell.

Flamencoszenen und Weltklasse-Perkussionsklänge begeisterten die Gäste bei denFestspielen. Bettina Castaño und Hakim Ludin waren im Fürstenlager. DF/BILD: FUNCK

Zwar konnte Festspielleiter Klaus P. Becker die herausragende Flamencotänzerin seit ihrer Premiere 1994 schon viele Male bei den Festspielen begrüßen, und auch der großartige Perkussionist Hakim Ludin war bereits zu Gast, ihr gemeinsamer Auftritt am Samstagabend im prall gefüllten Gesundbrunnen war dennoch „auch für uns eine absolute Premiere“.

Klassisch und exotisch

Das Programm kündigte eine Symbiose aus Flamenco und Perkussion an. Dieses Versprechen wurde mehr als nur eingehalten. Unter dem Motto „Hands & Feet" lieferten beide Künstler eine Vorstellung ab, die den Beweis erbrachte, dass Flamenco auch ohne Gitarren funktioniert. Auf einem ganzen Arsenal verschiedenster Instrumente gab Hakim Ludin unterschiedlichste Rhythmen vor, die von Bettina Castaño in ihrem Tanz aufgenommen wurden. Sowohl die klangliche als auch die tänzerische Bandbreite beeindruckte die Zuschauer dabei ein ums andere Mal. Neben klassischen Flamencoelementen wie dem Einsatz von Kastagnetten oder des Cajón kamen dem Publikum auch exotische Instrumente wie zum Beispiel der „Hang" zu Ohren, den man sich wie einen Klangwok vorstellen muss und der geradezu mystisch-sphärische Töne erzeugen kann.

Nachdem Bettina Castaño und Hakim Ludin schon im ersten Teil ihres Programms nachgewiesen hatten, dass Flamenco vor allem ein perfekt aufeinander abgestimmter Dialog zwischen Tänzerin und begleitendem Musiker ist, dürfte den meisten Zuschauern der zweite Teil noch länger im Gedächtnis bleiben. Beide Künstler lieferten hier nämlich zunächst eine Einführung in ihre jeweilige Profession. Hakim Ludin machte dabei einen heiteren Ausflug nach Indien, um zu zeigen, wo einige rhythmische Elemente des Flamencos ihren Ursprung haben und veranstaltete mit dem lernwilligen Publikum einen kurzen Klatsch-Workshop („rhythmische Ayurveda"). Anschließend zeigte er auf virtuose Weise an der Kanjira, einer kleinen Rahmentrommel, und an zwei Bongotrommeln („Kennen sie von der musikalischen Früherziehung"), welche Vielfalt die Welt der Rhythmik ihm als Künstler bietet. Ohne Frage steckt in Hakim Ludin auch ein wunderbarer Entertainer.

Bettina Castaño gab dem Publikum danach eine Unterweisung in die verschiedenen tänzerischen Elemente des Flamencos. So können je nach Aufstampfen mit den Füßen natürlich unterschiedliche Klänge erzeugt werden, doch kommen darüber hinaus noch Körperperkussion und das Schnipsen der Finger hinzu, um den Flamenco-Sound zu beeinflussen.

Uneingeschränkter Genuss

Ausgestattet mit derartigem Hintergrundwissen, verfolgte das Publikum den zweiten Teil ebenso begeistert wie den ersten. Akustisch reiste Hakim Ludin dabei von Bollywood bis in den Regenwald Südamerikas. Völlig gleich, welchen Rhythmus er dabei vorgab, jedes Mal wurde dieser von Bettina Castaño perfekt in ihren Flamencotanz übernommen, sodass es von Anfang bis Ende ein uneingeschränkter Genuss blieb, beiden zuzusehen und zuzuhören.

Zusätzlich unterstützt wurde das Erlebnis für die Zuschauer vom einzigartigen Ambiente des Fürstenlagers an einem lauen Sommerabend.

Wer seinen Blick am Samstag über das Dach der Bühne schweifen ließ, sah über kräftigen Baumwipfeln einen in bläulich-violettes Licht getauchten Abendhimmel, der die Veranstaltung für alle Anwesenden endgültig zu einem Fest der Sinne machte. pb

„Musik muss gefühlt werden um sie in Tanz umzusetzen.“

Bettina Castaño