Kritik von Bensheimer Echo 30.7.2007

Feuriger Flamenco mit indischen Klängen

Bettina Castaño und ihre Musiker lieferten im Fürstenlager eine tolle Darbietung

Aucherbach: Bettina Castaño tanzt den Flamenco nicht nur, sie lebt ihn. Bei den Internationalen Sommerfestspielen im Fürstenlager entfachte sie ein wahres Feuerwerk, in dem spanisches Temperament und die eruptive Kraft der Emotionen sichtbar wurden.

Es war atemberaubend. Mal stampfte der Flamenco-Star furios und stürmisch, dann wieder schwebte die schöne Diva in grazilen Bewegungen geradezu über den Tanzboden. Ihr Charisma und ihre große Ausdruckskraft wirkten elektrisierend. Wer sie mit ihrer Gruppe, vier Instrumentalisten und einem Sänger, am Samstagabend erlebte, war beeindruckt und fasziniert. Veranstalter Klaus-Peter Becker hatte wieder ein volles "Haus" im Gesundbrunnen des Früstenlagers. Die Gäste kamen trotzt instabiler Wetterlage und eines kräftigen Gewitters rund zwei Stunden vor Beginn der Open-Air-Veranstaltung.

Einzigartige Körpersprache

Das Publikum begleitete den Auftritt immer wieder mit tosendem Beifall. In ihrem neuen Programm "Impulse of India" verbindet Bettina Castaño Facetten der indischen Kultur mit dem Flamenco. Ihre einzigartige Körpersprache macht die Performance zu einem Grenzgang zwischen Rasanz und Eleganz. Dabei bleibt sie jederzeit authentisch und vollkommen konzentriert.

Mit dem Schnalzen der Finger, das wie ein Spiel mit Kastagnetten klingt, und dem Steppen der Füße schafft sie einen Klangraum, der den Grundton ihres Tanzes bildet. Mal sind es anmutige, verspielte, kokette Bewegungen, dann wieder rast sie feurig und leidenschaftlich über die Bühne. Es entsteht ein knisternde Spannung auf höchstem Niveau. Das indische Element ergänzt den Flamenco in Tanz, Musik und Gesang um miditative Züge und Stilfiguren. Eine spannende, facettenreiche Symbiose.

Exzellente Gitarristen

Hinzu kommt der Palmero, das rhythmische Händeklatschen und Füßestampfen, von Antonio Saavedra. Mit seiner rauchigheiseren Stimme schafft er auch den vokalischen Background für die Berg- und Talfahrt der Emotionen. Seine Synkopen sind das Elixier, aus dem Bettina Castaño die Kraft ihres Tanzes schöpft.

Der Star hatte exzellente Gitarristen mitgebracht: El Espina, Komponist und künstlerischer Leiter des kleinen Ensembles, zieht die musikalischen Fäden. Zusammen mit Jesus Torres legt er einen prachtvollen Klangteppich aus, auf dem sich die Tänzerin über die Wirklichkeit erhebt und die Herzen der Menschen direkt anspricht. Bettina Castaño, seit frühester Jugend Cellistin, ist mit ihrem "India"-Programm zugleich den Wurzeln des Flamencos auf der Spur, der mit den Zigeunern von Indien nach Europa kam.

Konzert im Lotussitz

Mal streicheln die beiden indischen Perkussionisten, Karuna Moorthy (Tavil) und Mattanur Sankarankutty (Chenda) sanft über den Fellbezug, dann wieder lassen sie die Trommeln hölzern oder aber metallisch erklingen. die Instrumente werden dabei zu Kommunikationsmitteln, die einen ausgefeilten Dialog untereinander anstimmen. Dem technisch perfekten Spiel zu lauschen, ist ein wahrer Genuß. Der Abend zeigte einmal mehr, daß sich die Kraft des Flamenco wunderbar in die asiatische Kultur einbinden läßt. Es ist, als seien es zwei Seiten ein und derselben Medaille.

Mit tosendem Applaus und standing ovations wurden die Künstler schließlich entlassen.

- moni -

„Musik muss gefühlt werden um sie in Tanz umzusetzen.“

Bettina Castaño