Kritik Karlsruhe 12. März 2010

Badische Neuste Nachrichten

Flamenco einmal indisch

Bettina Castaño begeisterte das Publikum im Tollhaus

VON ELISA REZNICEK

Welch ein Anblick, wenn Bettina Castaño tanzt! So intensiv, so eindringlich! Trotz der notwendigen Körperspannung und –beherrschung atmet jede ihrer Bewegungen Anmut, Eleganz und den Stolz, der nur einer Könnerin wie ihr, gut zu Gesicht steht. Ihr Ausdruck geht Hand in Hand mit einer lupenreinen Technik und einer beeindruckenden Kraft – besonders im rasanten Zapateado-Tempo. Leidenschaft und Präzision schließen sich nicht aus, wie die Zuschauer auf unterhaltsame Weise erfahren.

Wenn Tanzen die Poesie der Fußes ist, wie einst der englische Dichter John Dryden erkannte, schöpft Bettina Castaño ihr lyrisches Potenzial voll aus. Sie verharrt nicht in den traditionellen Bahnen des Flamencos, sondern spürt seinen indischen, persischen und maurischen Einflüssen nach, verbindet ihn in ihren unterschiedlichen Produktionen sogar mit ungarischer Zigeuner-. Oder Appenzeller Streichmusik. Der kühne Brückenschlag, der auf den ersten Blick besonders für Flamenco-Puristen befremdlich anmuten mag, entwickelt auf der Bühne einen ungemeinen Reiz, der auch das Tollhaus-Publikum zu Recht zu stehenden Ovationen und Bravo-Rufen veranlasst.

In Karlsruhe präsentiert die spanische Tänzerin „Pulse of India" ein Programm, das die Ursprünge des Flamencos im indischen Tempeltanz mit in die Show einbezieht – ohne dabei in aufgekratz-te Bollywood-Romantik zu verfallen. Hierfür konnte Castaño neben ihrem langjährigen musikalischen Leiter, El Espina (Gitarre), und dem teils etwas zu melodramatisch agierenden, jungen Sänger, David Hornillo, auch den alten Chenda-Meister Mattanur Sankarankutty und den jungen Tavil-Virtuosen Karuna Moorthy verpflichten, die der andalusischen Musik eine weitere changierende, höchst expressive Rhythmusschicht auf ihren Perkussionsinstrumenten hinzufügen. Diese wird wiederum von Bettina Castaño aufgegriffen, reflektiert und weitergeführt, so dass sich aus dem Dialog der Kulturen live schnell eine atemberaubende Fusion entwickelt.

„Musik muss gefühlt werden um sie in Tanz umzusetzen.“

Bettina Castaño