Kritik Spreitenbach vom 7.2.2010

 

Der Flamenco funktioniert auch mit Talerschwingen

Im Zentrumsschopf Spreitenbach führte die Tänzerin Bettina Castaño Appenzeller Folklore und spanischen Tanz zusammen

Matthias Steimer

Vier Appenzeller spielen gemütlich ihre traditionellen Instrumente im Hintergrund, davor tanzt eine Dame temperamentvoll Flamenco. Diese unkonventionelle Anordnung hat eingeschlagen, das Publikum war Feuer und Flamme. Die Multikultur zeichnete sich schon vor der Aufführung ab: Mehrheitlich Schweizerinnen und Schweizer verpflegten sich im Spreitenbacher Zentrumsschopf mit Tortillas und Oliven sowie einem edlen Tropfen – sie fühlten sich sichtlich wohl im schweizerisch-südländischen Ambiente, beste Voraussetzung für das Programm „Bettina Castaño und Alder Buebe".

Spannende Gegensätze: Bettina Castaño und drei der vier Alder Buebe bei ihrem Auftritt in Spreitenbach

Die Darbietung nahm ihren Anfang in der Ostschweiz, die Alder Buebe präsentierten sich zunächst allein. Hackbrett, Akkordeon, Violine und Kontrabass bildeten das Quartett, das selbstverständlich in Appenzeller Sennentracht erschien. Traditionelle Volksmusik und fremdländische Klänge fanden sich gleichermassen in ihrem engagierten Spiel. Faszinierende Kultursysnthese. Und stante pede war sie da: Bettina Castaño. In typischer Flamenco-Ästhetik schlug sie den Rhythmus über die Bühne, stets auf ausdrucksstarke Körperhaltung und Blickrichtung bedacht, während die Alder Buebe düdelten. Ihr Höllentemperament elektrisierte, tat der Appenzeller Gemächlichkeit indes keinen Abbruch. Im Gegenteil: Die Synthese dieser Kulturen gelang und faszinierte; es war, als ob man zwei Farben zu einem neuen Wunder mischte.

Schnelle Fusstechnik

In der Solonummer stellte Castaño ihr Rhythmustalent endgültig unter Beweis. Ihr Körper wurde zu einem komplexen Perkussionsinstrument. Mund, Finger, Kastagnetten, Füsse, überall klatschte und shnippste es, ihr schönes Kleid in athmospharischem Licht untersützte den Augenschmaus beim Tanz. Castaños schnelle Fusstechnik liess das Publikum erst staunen, dann jauchzen.

In der Folge kam es zu herrlich lustigen Szenen: Die älteren Herren interagierten spitzbübisch mit der mitunter erotisch gebarenden Flamenco-Tänzerin – beide Kulturen auf ihre Art und Weise. In der Absicht allenthalben klar wie Klossbrühe. „Birrewegge, Schmalz und Brot macht d Bagge rot" – auch dies lernte man am Feitagabend. Ganz in Schwiezer Tradtion jodelten die Alder Buebe, zur Freude des Publikums. Vielleicht lag es auch ein bisschen am Wein, der in der Pause wieder ausgeschenkt wurde, aber die Stimmung im Saal war fantastisch bis um Schluss.

„Musik muss gefühlt werden um sie in Tanz umzusetzen.“

Bettina Castaño