Kritik Wil 23. Oktober 2009

 

Das Programm der 30. Spielzeit im Chällertheater trägt illustre Namen. Den Auftakt machten die «Alderbuebe» und Bettina Castano mit einem Experiment.

Michael Hug

«Ausverkauft» hiess es schnell einmal, als das erste Konzert der 30. Saison im Chällertheater angekündigt wurde. Dass die vier «Alderbuebe» mit einer Flamencotänzerin auftreten werden, liess aufhorchen, und so war man selbstverständlich ziemlich gespannt, was da am Freitagabend geboten werden würde. Walter Alder am Hackbrett, der junge Alderspross und Geiger Michael Bösch, der Szenebassist Köbi Schiess und der Toggenburger Tausendsassa Willi Valotti am Akkordeon eröffneten mit einem Zäuerli. Zum zweiten Stück erschien der wahre Star des Abends, Bettina Castaño.

Gelungene Verbindung: die Alderbuebe und Bettina Castaño. Bild: mhu.

In einer sprichwörtlichen Entfaltung zwischen Tradition und Impro-visation setzte sie den optischen und akustischen Kontrapunkt zu den vier distinguierten und schweigsamen Herren im roten Brusttuch. «Wo der Bartli den Most holt» – so muss es den Vieren vorgekommen sein, doch sie erholten sich schnell und ergänzten in der Folge das ewige Spiel zwischen Mann und Frau mit harmonischen Tönen.

Überraschende Ergänzung

Ob Walzer oder Mazurka, Polka oder Zäuerli – der Flamencotanz ergänzt sich überraschend gut mit der Appenzeller Streichmusik. Es wurde keine experimentelle und letztlich doch meist unver-ständliche Multikultisprache gesucht. Beide blieben bei dem, was sie wirklich gut können, fast unverfälscht liessen sich die mehr oder weniger bekannten Volksmusikstücke heraushören, so wie der Flamencotanz von Castaño authentisch erschien. Ihre Art der Interpretation ist keineswegs eine auf leisen Pfoten, und wären die vier Herren nicht schon öfter mit Castano aufgetreten, sie wären wohl erst mal erschrocken ob des Feuers, das in ihr steckt beziehungsweise aus ihren Schuhsohlen lodert. Die Kombination Flamenco-Appenzeller Streichmusik sei übrigens auf Castanos Initiative zustande gekommen, verrät Willi Valotti. «Sie kommt ja, trotz ihres spanischen Namens, aus Teufen.»

Siehe auch: www.infowilplus.ch/_iu_write/artikel/2009/KW_43/Wil/Artikel_12632/

„Musik muss gefühlt werden um sie in Tanz umzusetzen.“

Bettina Castaño